Neujahrsbotschaft der FEDIL und ihres Präsidenten



Neujahrsbotschaft von Präsidentin Michèle Detaille

Sehr geehrter Herr Premierminister,

liebe Partner und Ansprechpartner der FEDIL,

liebe FEDIL-Mitglieder, meine Damen und Herren,

Normalerweise hätte die FEDIL Ende Januar ihren traditionellen Neujahrsempfang gehalten, eine großartige Gelegenheit, sich zu sehen, neue Mitglieder zu treffen, sich gegenseitig ein gutes neues Jahr zu wünschen, sich von einem renommierten Redner inspirieren zu lassen und dem Grußwort unseres Premierministers an die Unternehmer zu lauschen.

Leider hindert uns die aktuelle Gesundheitslage daran, uns im festlichen Rahmen des so geschätzten Empfangs zu treffen. Ich muss nicht extra betonen, dass wir ein solches Zusammensein nach zehn Monaten Kontakteinschränkungen nötiger denn je gehabt hätten.

Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Zunächst einmal liegt uns viel daran, mit Ihnen die Botschaften der FEDIL und des Premierministers zu Beginn dieses Jahres zu teilen, das – davon bin ich überzeugt – der Anfang vom Ende einer Pandemie sein wird, die uns alle persönlich und beruflich beeinträchtigt hat.  Wenn es die Hygienemaßnahmen erlauben, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr ein zwangloses Beisammensein nachholen, bei dem wir Erfahrungen austauschen, unsere Meinung teilen und vielleicht auch ein Gläschen einer unserer Luxemburgischen Spezialitäten kosten können…

Der Wiederaufschwung unserer Wirtschaft braucht die Förderung und Beschleunigung privater Investitionen

Welche Bilanz kann man über ein Jahr ziehen, das durch zehn Monate Vorherrschaft einer Pandemie geprägt war, die unseren Alltag so sehr veränderte?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Mehrzahl der von der FEDIL vertretenen Sektoren nicht direkt von den Schließungsmaßnahmen betroffen waren, die die Behörden zur Eindämmung der Übertragung des Virus beschlossen. Dennoch haben sich zahlreiche Aktivitäten erheblich verzögert und manche schon vorher bestehenden Strukturschwächen traten schneller und mit mehr Wucht zutage.  Vorübergehend sehr hohe Krankenstände und Unsicherheiten oder sogar Unterbrechungen der Lieferketten trafen fast all unsere Unternehmen. Selbst jene, deren Erzeugnisse und Leistungen trotz oder manchmal auch gerade wegen der Pandemie stark nachgefragt waren, waren vor diesen Schwierigkeiten nicht gefeit.

Die meisten Mitglieder begrüßen generell die Stabilisierungs- und Entschädigungsmaßnahmen, die von der Regierung in diesen schwierigen Monaten angeboten wurden. Wieder einmal erwies sich Kurzarbeit für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber als wirksames Instrument zur Bekämpfung der Krise.

Die Europäische Kommission lockerte vorübergehend die Maßnahmen zur Beschränkung von Staatshilfen.

Wir begrüßen die Entscheidung der Regierung, diese Lockerung auf europäischer Ebene zu nutzen, um der Industrie Anreize für den Erhalt oder sogar den Ausbau ihrer Investitionsprojekte zu bieten. Die Modernisierung und die Leistungssteigerung, die diese Investitionen bewirken werden, sind eine Art Vorbedingung, um erfolgreich aus der Krise zu kommen. Wir begrüßen im Übrigen auch, wie schnell das Wirtschaftsministerium die zahlreichen Anträge der Industrie bearbeitet hat.

In normalen Zeiten investiert die Privatwirtschaft in unserem Land viermal so viel wie der Staat. Der Wiederaufschwung unserer Wirtschaft braucht deshalb die Förderung und Beschleunigung privater Investitionen. Wir haben die große Chance, auf Wirtschaftsakteure zählen zu können, die darauf drängen, ihre Investitionen trotz Krise in die Tat umzusetzen. Diese Projekte befassen sich oft mit Zukunftsbranchen wie Wohnungsbau, Digitalisierung, Dekarbonisierung oder auch Diversifizierung der Industrielandschaft. Die Regierung muss zur Entfaltung dieses Potenzials beitragen und helfen, den Sumpf bestimmter Genehmigungsverfahren auszutrocknen, die zu schwerfällig und langwierig sind und manchmal auch zu sehr vom individuellen Ermessen abhängen.

Der Staat muss eingreifen und jenen Unternehmen den Rücken stärken, deren Tätigkeit unter den staatlichen Gesundheitsmaßnahmen leidet, die ergriffen werden mussten. Auf alle Ewigkeit am Tropf staatlicher Unterstützungsmaßnahmen zu hängen, ist jedoch weder finanziell nachhaltig, noch politisch wünschenswert. Die Unternehmen streben die Wiederherstellung einer neuen „Normalität“ an, teils auch unter einem Paradigmenwechsel.

Die Anpassung an strukturelle Änderungen oder neue Marktgegebenheiten, sei es die Abstimmung von Angebot und Nachfrage oder von Kostenstruktur und Einnahmeperspektive, ist unserer Industrie nicht fremd.  Der Wandel des derzeitigen sozioökonomischen Kontextes wird stark von der Klimafrage, der Digitalisierung und jüngst auch von der Corona-Krise beeinflusst. Ich fordere unsere politischen Verantwortungsträger und Sozialpartner auf, den Anpassungsprozess unserer Unternehmen konstruktiv zu begleiten, anstatt sich ihm entgegenzustellen oder ihn in einer falsch verstandenen Sorge um den Erhalt von Arbeitsplätzen auszubremsen.

Konzentrieren wir unsere Anstrengungen auf eine Politik des Erhalts von Arbeitsplätzen, die den Strukturwandel vorwegnimmt, die Entwicklung neuer Geschäftsfelder begünstigt und Arbeitnehmer*innen mit geeigneten Ausbildungsprogrammen auf die neuen Berufsprofile vorbereitet, die auf dem Arbeitsmarkt verlangt werden. Denn trotz der Krise ist Letzterer nach wie vor vom Fachkräftemangel in Zukunftsberufen gekennzeichnet.

Die FEDIL engagiert sich stark für die Förderung technischer Berufe, die eine zentrale Rolle für die Innovation im Unternehmen und somit strategisch eine immer wichtigere Rolle für die Erhöhung der Erfolgsaussichten spielen.

Die Entwicklung unseres Ökosystems der staatlich geförderten Forschung ist ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor. Deren Nutzen für die Wirtschaft hängt natürlich von der Intensität der Kooperation der staatlich geförderten Forschung mit den Unternehmen ab.  In diesem Zusammenhang hoffen wir auf rasche Fortschritte bei der Schaffung eines Technologieparks in der Nähe von Belval, der eine Annäherung von staatlicher und privatwirtschaftlicher Forschung ermöglichen wird.

Die Krise war ein wichtiger Innovationsmotor und bescherte dem digitalen und organisatorischen Wandel einen Entwicklungsschub

Die Corona-Krise beschleunigte den technologischen und organisatorischen Wandel in den Unternehmen. Die Krise war ein wichtiger Innovationsmotor und bescherte der Digitalisierung einen Entwicklungsschub. Sie zeigte auf, wie unverzichtbar digitale Tools sind, die heute für ein reibungsloses Funktionieren unserer Gesellschaft und Wirtschaft unerlässlich sind.

Unternehmen, die beim digitalen Wandel schon sehr weit sind, nutzten digitale Tools für die Verwaltung ihrer Tätigkeiten und Produktion und entwickelten innovative, neue Arbeitsmethoden. Homeoffice beispielsweise wurde Vorschrift und fand so Eintritt in unsere Unternehmen und wird zum neuen Arbeitsalltag dazugehören. Die Krise hat gezeigt, dass wir uns stärker um den digitalen Wandel bemühen müssen, denn er kann uns mehr Flexibilität, Sicherheit und Widerstandsfähigkeit bringen.

Zur Sicherung des Fortbestands und Erfolgs setzen Unternehmen immer mehr auf Innovation und investieren in cloudbasierte Technologien, das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und nicht zu vergessen Cybersicherheit.

Zur Gewährleistung eines erfolgreichen digitalen Wandels in all unseren Unternehmen muss die Regierung dafür sorgen, dass die richtigen Anreiz- und Flankierungsmaßnahmen für Unternehmen geschaffen werden, einschließlich steuerlicher Anreize.

Konnektivität erwies sich in der Krise als wesentliches Kriterium, darauf muss sich unser Augenmerk auch weiterhin richten. Der Ausbau des Glasfasernetzwerks und der schnelle Ausbau des 5G-Netzes hängen von Genehmigungsverfahren ab, die mit der gebotenen Eile zum Abschluss gebracht werden müssen.

Der digitale Wandel des öffentlichen Dienstes ist eine Priorität der Regierung. Im Lockdown haben wir erfahren, wie entscheidend Onlinelösungen in der Verwaltung sein können.

Die gesamte Regierung muss rasch Rahmenbedingungen für eine Energiewende schaffen, die von der Industrie mitgestaltet wird

Die Europäische Kommission und der Rat konnten 2020 Fortschritte in der legislativen Arbeit zur Verschärfung und Bekräftigung der Klimaziele der Union verbuchen. Mit dem Green Deal wurde im Übrigen in gewisser Weise ein roter Faden für das Konjunkturprogramm eingeführt, das von der Kommission vorgelegt und von den Staats- und Regierungschefs infolge der Corona-Krise angenommen wurde.  Die Einbeziehung von Klimakriterien in die Rahmenvorgaben der internationalen Handelsbeziehungen steht noch aus, was den Industriesektoren, die stark vom CO2-Preis abhängen, Sorge bereitet. Die negativen Auswirkungen der Krise auf deren Finanzmittel macht die Sache natürlich nicht besser.

Die Industrie stellt die Festlegung von Klimazielen als Antwort auf die Dringlichkeit des Klimawandels nicht in Frage. Sie fordert ein Handeln der Politik, das sich nicht nur auf sichtbare Effekte beschränkt, sondern schnellstmöglich die Rahmenbedingungen für eine Energiewende schafft, an der die Industrie aktiv beteiligt ist.

Im Kampf für das Klima fordern wir unsere Regierung auf, alle Optionen zu prüfen, die uns zur Verfügung stehen, damit wir unsere Klimaziele dauerhaft erreichen. Wir sollten flexibel und pragmatisch vorgehen und die technologischen Lösungen nutzen, die für die einzelnen Sektoren geeignet sind.  Das gilt ganz besonders in der Phase des Übergangs, bis für alle Sektoren emissionsfreie Lösungen zur Verfügung stehen.

Gesetzlich zulässige technische Lösungen mit dem Argument abzulehnen, sie würden nicht weit genug gehen, wäre unverantwortbar. Wenn wir auf solche Lösungen verzichten, schränken wir den Handlungsspielraum Luxemburgs gegenüber den anderen Volkswirtschaften der EU, die einen pragmatischeren, differenzierteren Ansatz verfolgen, erheblich und unnötig ein.

Die ab diesem Jahr geltende CO2-Steuer erscheint in gewisser Weise vereinfachend und undifferenziert. Ob sie in ihrer derzeitigen Form viel zur Energiewende beiträgt, bleibt anzuzweifeln.  Der eingleisige Ansatz, der ohne Unterscheidung für Unternehmen wie für private Verbraucher gilt, wird wohl kaum die erhofften Verhaltensänderungen bewirken.

Leider wurden die konstruktiven Vorschläge der FEDIL für 2021, das Jahr, in dem diese Steuer erstmalig erhoben wird, nicht berücksichtigt. Doch es ist nie zu spät für Verbesserungen. In den folgenden Jahren sollte ein intelligenterer Ansatz mit speziellen Sonderregelungen für die jeweiligen Zielsektoren in Erwägung gezogen werden. Aus Sicht der Unternehmen muss die Steuer mehr Anreize bieten, so dass sich Investitionen in Technologien mit geringem Kohlenstoffverbrauch lohnen, und Unternehmen, die ihre Emissionen signifikant gesenkt haben, nicht mehr bestraft werden. Die Fortführung der derzeitigen vereinfachenden Politik einer ständigen Erhöhung der Energiekosten wird nur die Attraktivität Luxemburgs als wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort schmälern.

Neben den aktuellen Themen, über die ich nun sprach und bei denen sich die FEDIL in den kommenden Monaten Fortschritte erhofft, möchte ich auch auf einige andere größere Baustellen für dieses Jahr eingehen, die alle eines gemeinsam haben: Sie werden von den Ereignissen oder Entwicklungen, die wir zum Ende des Jahres beobachten konnten, positiv beeinflusst.

Bezüglich der Corona-Pandemie erhielten wir die ersten Impfstofflieferungen, was ein gutes Zeichen für eine erfolgreiche schrittweise Rückkehr zur Normalität und zum sehnlichst erwarteten Wiederaufschwung der Wirtschaft ist.

Was die Handelsbeziehungen betrifft, so ermöglicht die in letzter Minute erzielte Einigung über den Brexit die Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen mit unseren britischen Partnern ohne allzu große Reibungsverluste, und nach den Präsidentschaftswahlen in den USA wagt man, an eine Wiederaufnahme des transatlantischen Handelsdialogs zu glauben.

Durch die Freigabe des ehrgeizigen Wirtschaftshilfsprogramms der Europäischen Union im Dezember wurde der Weg frei für die Aufbau- und Resilienzfazilitäten, die den Mitgliedstaaten bei der Bewältigung der Krise mit der Digitalisierung, der Energiewende und der Kreislaufwirtschaft helfen sollen.

Die staatlichen Mittel für Förderprogramme sowie die zahlreichen Ausgleichs- und Stabilisierungsprogramme für die Wirtschaft in der Krise werfen natürlich die Frage nach einer Wiederherstellung ausgeglichener Haushalte und dem künftigen politischen Umgang mit diesen Staatsschulden auf. 2021 wird zweifelsohne das erste Jahr einer Zeit, in der wir die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise schultern müssen.

Meine Damen und Herren, liebe Freunde der FEDIL, ich habe von der Wirtschaft gesprochen, aber es sind gewiss nicht Sie, die Unternehmenschefs, die ich überzeugen muss, dass unsere Industrie in erster Linie aus Menschen besteht. Ohne den Mut und das professionelle Bewusstsein unserer Mitarbeiter*innen wäre die Lage noch viel schwieriger.

Wir leiden alle in unterschiedlichem Maße unter der Pandemie, nicht nur physisch, sondern auch emotional und psychisch. Als Arbeitgeber, Manager, Führungskräfte sind wir es gewohnt, uns um unsere Teams zu kümmern. Vergessen wir nicht, dass diese stürmischen Zeiten auch verletzlich machen können. Seien wir standhaft, wohlwollend und hören wir unseren Mitarbeiter*innen zu, sie machen den Reichtum unserer Unternehmen aus.

Ich glaube auch, dass unser wirtschaftliches Interesse und unsere moralische Verantwortung es gebieten, unsere Kunden und Lieferanten zu unterstützen, für die derzeit vielleicht alles etwas schwieriger ist. Dabei schließe ich auch die Gastwirte ein, bei denen wir uns so gerne einen schönen Abend machen. Versprochen, wir kommen wieder, so bald wie möglich!

In diesen bewegten Zeiten kann ich nur mit dem Zitat eines Mannes schließen, der bewiesen hat, dass er seiner Aufgabe unter extremen Widrigkeiten gewachsen ist. Winston Churchill sagte:

„Ein Pessimist sieht die Schwierigkeiten in jeder Möglichkeit, ein Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das ganze nun beginnende Jahr lang optimistisch bleiben, und Ihnen, Ihrer Familie, Ihren Mitarbeiter*innen und Ihren Unternehmen alles Gute für 2021.

Ich sage: Bis bald!

Michèle Detaille

Vorsitzende der FEDIL